Es gibt Momente im Leben, wo man nur einen Gedanken hat: Ich hasse mein Leben. Zum Beispiel wenn der Regenschirm mal wieder keinen Platz in der Handtasche gefunden hat, weil diese natürlich zu klein und nicht etwa mit zu vielen unnötigen Dingen zu voll ist, und es genau dann anfängt aus Kübeln zugießen. Make up und Frisur im Eimer, von der Laune möchte ich erst gar nicht sprechen.
Doch auch jetzt zu der ach so besinnlichen Weihnachtszeit überkommt mich in regelmäßigen Abständen ein Würgegefühl, das in von Ekel geprägten Blicken ihren Höhepunkt findet. Überall diese knutschenden Pärchen, die sich mit ihren Blicken zu verschlingen scheinen. Naja, wer mit Blicken kommuniziert, kommt wenigstens nicht in die Versuchung auch noch verbalen Schmalz abzulassen.
Auch immer dieses Händchenhalten. Denken die Paare auch mal bitte an uns Single? Das gemütliche Shoppen durch die Läden, endet regelmäßig im Parkour-Hürdenlauf – denn ein rücksichtsvolles Miteinander sucht man vergebens bei diese ineinander verwachsenen Verliebten. Als wenn das Überleben der gesamten Menschheit, da würden sie dann nämlich doch mal an uns denken, vom Nichtloslassen abhängen. Besonders beliebt sind auch die Neckereien zwischen ihnen – von Frauen gerne x Oktaven höher kommuniziert. Folglich gilt es nun neben dem Würgkrampf auch noch die Ohrenschmerzen zu kompensieren.
Und auch die Augen werden nicht verschont: Ich meine, kann mal bitte jemand einen Kurs für ansehnliches Knutschen anbieten? Man kann ja gerne in der Öffentlichkeit Körperflüssigkeiten austauschen und meinetwegen auch mit Einsatz der Zunge. Aber muss diese als Schöpfkelle zum Einsatz kommen? Dann wird man noch Zeuge dieser Küsse, bei denen die Zungen in freier Wildbahn aufeinandertreffen und vom Jäger-Beute-Schema scheinbar getrieben, übereinander herfallen. Widerlich!
Fazit: Ein Tag in der Stadt endet auf jeden Fall nass: Entweder weil es regnet und man keinen Regenschirm bei sich hat, wild knutschende Pärchen animalisch und spendabel Spucke an die zum Zusehen und dadurch eigentlich schon genug gepeinigten Mitmenschen verteilen oder weil man bei all dem Elend nur noch eins kann: heulen. Und dann hasst man sein Leben, weil man doch eigentlich glücklich ist und gar keinen Grund zum Heulen hat. Ich meine, dank uns Singles funktionieren viele Ehen und Beziehung doch erst. Und wie sollen Puffs, Singlebörsen, Partnervermittlungen, Flirtkurse und diverse Themenpartys ohne uns überleben. Wer soll in 1-Raumwohnungen ziehen? Auch die kleinen Einzeltische in Restaurants und die Plätze an der Bar wären von der Leere geplagt. Auch die Ärzte hätten weniger zutun, schließlich erkranken Singles häufiger als Verheiratete. Ich könnte endlos so weitermachen, verbleibe dann aber doch lieber mit dem Satz: Ein Hoch auf uns Singles!
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